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Beitrag von Wolf Buchinger im Nebelspalter

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Willkommen im Zentrallager S.

Zentrallager? Ja, das haben wir doch vor einiger Zeit schon mal gehört. Und vermeiden diesen Ausdruck. Doch sie, die Zentrallagerwiederentdeckerin, Simonetta Sommaruga, hat allen Unkenrufen zum Trotz nicht nur glorreiche Ideen, sie kann sie auch radikal zügig umsetzen! Wer hätte dies der zierlichen Frau zugetraut. Die SVP tobt wegen Diebstahl von Wahlkampfthemen und muss dieses Spiel mitmachen, die Bürgerlichen kommen aus dem Staunen nicht heraus und selbst die SP ist überrascht von ihrem Tatendrang, denn sie hat das Lager gegen Asylmissbrauch nicht nur gedacht, sie hat mit dem Bau bereits begonnen. Im Oktober ist es fertig, erste Besichtigungstermine auf der Baustelle unter dem Zürcher Flughafen sind bereits möglich.

Asyl

Das Projekt ist einfach und genial:

unter dem Areal des Terminals Barbara ist 30 Meter unter der Erde eine kleine Stadt entstanden. Niemand brauchte eine Baugenehmigung geben, kein Bürgerprotest war möglich. Ein Lift führt von Sondergate S direkt zur Aufnahmestation, wo schwarz gekleidete Spezialeinheiten des Asylsonderstabes innerhalb von einer Stunde entscheiden, wer in der Schweiz bleibt und wer nicht. wer den A-Stempel auf dem Unterarm hat, wird „prioritaire“ in ein Umschulungszentrum geschickt, spartanisch eingerichtet und sehr wirkungsvoll, denn nach sechs Monaten bereits kennen die A-Kandidaten leidlich Deutsch, haben Basiskenntnisse im Umgang mit der Schweiz und haben eine Vorlehre in einem Mangelberuf absolviert. Danach fahren sie mit dem Lift wieder nach oben und werden an Gastfamilien weitergegeben, die der SVP angehören müssen. Der Erfolg ist sicher, denn effektiver und schneller kann eine Integration kaum gehen.

B-Kandidaten werden innerhalb einer Stunde ebenfalls mit dem Lift nach oben fahren, dann aber abgeschirmt von einer Kompanie „Ausweisungsvollzug“ (widerwillig von Verteidigungsminister Maurer genehmigt) in Spezialflugzeugen, die ein grosses geschlungenes „S“ auf der Schwanzflosse tragen, in vermutete Herkunftsländer geflogen, wo sie gegen bar an die jeweiligen Regierungen verkauft werden. Die Beträge schwanken zwischen 1000 und 50000 US-Dollar, was günstig ist, denn eine Woche Asylverzögerung kostet um einiges mehr.

Bereits sind die ersten Interessenten für Kopien unter anderen Flughäfen vorhanden. Der Botschafter in der EU, Michael Reiterer, hat seiner Freundin mit österreichischem Charme die Baupläne abgeluchst und berichtet von ersten Sondierungsbohrungen in Lampedusa, Athen und Berlin. Lediglich die Inschrift „Arbeit macht glücklich“ hat er wegradiert und handschriftlich verbessert: „Glück auf, EU!“

Nebelspalter 5.11

www.wolf.buchinger.ch

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